Keine Diskussion über Übersetzungsprinzipien und -verfahren wäre vollständig, wenn man nicht auch die Rolle des «Interface», des Vermittlers der Übersetzung, d.h. des Übersetzers, erwähnen würde. Es wird gesagt, sein Los sei in den meisten Fällen, dass er wenig Dank ernte, schlecht bezahlt sei und viel geschmäht werde!

Abgesehen von seiner Übersetzungsfähigkeit – seiner «zweisprachigen Kompetenz» – muss bzw. sollte er, idealerweise eine ausgezeichnete Ausbildung in der Ausgangssprache haben und gleichzeitig die Ressourcen der Sprache, in die er übersetzt, d.h. der Zielsprache, der Sprache des Informationsempfängers, beherrschen.
Das Endprodukt, nämlich der Text in der Zielsprache, ist jedoch notgedrungen bis zu einem gewissen Grade beeinflusst durch die Haltung des Über-setzers, seine Ideale, seine Vorurteile, sein persönliches Engagement in sei-ner Arbeit usw. Er ist schließlich sozusagen ein Teil des kulturellen Kontextes, in dem er lebt. WIE RICHMOND LATTIMORE gesagt hat: «Kein Übersetzer kann vermeiden, dass er von seiner eigenen Zeit beeinflusst wird, und es wäre falsch, wenn er allzu sehr versuchen würde, sich von diesem Einfluss loszulösen. Man kann nicht in einem Vakuum übersetzen.»

Das soeben Gesagte scheint auch für den juristischen Übersetzer als auch für ein Übersetzungsbüro Gültigkeit zu haben, aber ein weiteres Element kommt in seinem Fall hinzu. Zusätzlich zur Kenntnis der zwei (oder mehreren) Sprachen, mit denen er im Übersetzungsprozess zu tun hat, muss der Übersetzer auch gründlich mit dem zu übertragenden Stoff vertraut sein, in unserem Falle mit dem Recht. Genauer: im Falle einer Übersetzung innerhalb eines mehrsprachigen Landes (mit mehreren National- bzw. Amtssprachen, wie z.B. in der Schweiz) mit dem nationalen Recht, oder, im Falle einer transnationalen Übersetzung – insbes. im Zusammenhang mit einer Rechtsvergleichung – mit dem Rechtssystem und den nationalen Gesetzen des ausgangssprachlichen Landes und dem- bzw. denjenigen des zielsprachlichen Landes.